Beschreibung
Vier blinde Männer werden zu einem Elefanten geführt und gefragt: Was ist das? Die Blinden tasten. Der erste, den Rüssel fühlend, sagt: ein Rohr. Der zweite, die Flanke fühlend: eine Wand. Der dritte, der auf der Höhe des Schwanzes steht: eine Peitsche. Der vierte, der ein Bein abgetastet hatte: ein Baum.
Eine Sache lässt sich naturgemäß von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Oft stehen sich solche Standpunkte unvereinbar gegenüber. Mario Betti zeigt mit seinem Buch einen Weg zur Verständigung gegensätzlicher Weltauffassungen.
In der heutigen multikulturellen Gesellschaft stoßen die verschiedensten religiösen und philosophischen Weltanschauungen oft aufeinander. Das Anliegen des Buches ist es, das Berechtigte in einer jeden Weltanschauung zu sehen und die Wahrheit nicht in einem einseitigen Standpunkt, sondern in einer möglichst umfassenden Zusammenschau der verschiedensten Weltanschauungen zu suchen.
In klarer und allgemein verständlicher Sprache bringt Mario Betti jede der zwölf Weltanschauungen anhand zahlreicher Beispiele dem Leser näher und eröffnet damit zugleich einen Ausblick und ein neues Verständnis für die Anthroposophie.
Mario Betti behandelt die umfangreiche Thematik auf die ihm eigene Art ernsthaft und doch mit einer erzählerischen Leichtigkeit, der man gern folgt. Er lässt eine Vielzahl großer Dichter, Denker und jetzt lebender Zeitgenossen zu Wort kommen, auch damit dem Anliegen dieses Buches folgend: unterschiedliche, teilweise gegensätzlich erscheinende Sichtweisen gelten zu lassen. Dabei geht es um mehr als eine nur tolerierende Haltung, was durch ein wunderbares Goethe-Zitat deutlich gemacht wird: Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
Nach einer liebevollen Charakterisierung der zwölf Weltanschauungen – jeder ist ein eigenes Kapitel gewidmet – wird verständlich: Ein Wissen um die Zwölfheit der Weltanschauungen ist nicht nur ein Weg zu einer umfassenderen Welterkenntnis, sondern es ist zugleich ein Weg zu einer vertieften Selbsterkenntnis, auf den Rudolf Steiner hingewiesen hat, und auf dem uns Mario Betti durch seine Ausführungen ein Stück voranbringt. Auch die Zuordnung der zwölf Weltanschauungen zu den zwölf Tierkreissphären kann da hilfreich sein.
Im letzten Kapitel wird noch einmal dezidiert zum Ausdruck gebracht, was als Grundstimmung das ganze Buch durchzieht: Sein inneres Anliegen ist ein universelles Christentum, in dem allen Religionen eine für sie berechtigte Sichtweise zugesprochen wird. Als Heilmittel für unsere Kultur, die dem irrtümlichen Ideal einer immerwährenden äußeren Jugend huldigt, weist Mario Betti in seinen Schlusssätzen auf die Christus-Verjüngungskräfte: Wir brauchen ein jugendliches Herz, das voll Interesse und Liebe auf Natur und Menschheit schaut und bereit ist, dort Hand anzulegen, wo wir gefragt werden – ganz im Sinne von Novalis. Wir sind auf einer Mission: zur Bildung der Erde sind wir berufen, anders formuliert: es geht um die Entwicklung zu Wahrheit, Freiheit und Liebe in alle theoretischen und praktischen Angelegenheiten des Alltagslebens. Ein allzu hohes Ideal? Das kann nur jeder für sich entscheiden.
Dem sei nur hinzugefügt: Wer sich entscheidet, dieses Buch zu lesen und den Inhalt zu erarbeiten, wird sicher vielfachen Gewinn davon haben. (Erziehungskunst, Birgit Kersten)
(25.06.2010)
Produktinformation
Inhaltsverzeichnis
Schau die Welt an und höre - Der Phänomenalismus
Mensch und Sinnlichkeit - Der Sensualismus
«Erde, sie steht so fest» - Der Materialismus
Maß, Zahl und Gewicht - Der Mathematismus
«Und siehe, es war sehr gut.» - Der Rationalismus
Der Logos, der am Anfang war - Der Idealismus
Ich bin ein Ich - Der Psychismus
Ich bin das All - Der Pneumatismus
Die Jakobsleiter - Der Spiritualismus
Die allgemeine Relation - Der Monadismus
«Ich bin Dynamit» - Der Dynamismus
Die Weltenwaage - Der Realismus


Zwölf Wege, die Welt zu verstehen
Sehr geehrter Herr Betti!
Ich möchte mich auf diesem Wege für ihr Buch "Zwölf Wege, die Welt zu verstehen" herzlichst bedanken. Erst letzten Samstag am Advent-Markt der Rudolf Steiner Schule in Mauer/Wien erworben, habe ich es mit Staunen und großem Vergnügen gelesen und so das erste Adventwochenende mit einer sehr kostbaren Literatur geschmückt.
Besonders erfreulich ist ihre abwechslungreiche mit Zitaten, Gedichten und vielen Beispielen versetzte Art zu schreiben, die neben einem Inhalt, der vieles zu einem gemeinsamen Sein und Arbeiten in der globalen Gesellschaft beitragan könnte, Ihr Buch in meiner persönlichen "Hit-Liste" zum Buch des Jahres 2010 macht.
Nochmals vielen Dank!
Franz Herzog