Beschreibung
Eine lebensnahe, originelle, oft herrlich komische Geschichte von Selma Noort, die in den Niederlanden bereits mehrere Preise für ihre Kinderbücher erhielt.
Lot will vor allem eines: selbstständig sein. Und sie ist einfallsreich und tatkräftig genug, um sich und ihren Sohn Pol durchzubringen. Der trägt mit seiner gewaltigen Stimme einiges zum Lebensunterhalt bei, denn er ersetzt die Alarmsirene in einem Schuhlager auf dem Industriegelände. Dafür dürfen sie umsonst in dem kleinen Büro wohnen. Und jetzt geht es wirklich bergauf. Lot wird Betreiberin der Toiletten im Brückenwärterhäuschen der alten Stadt. Da klingeln die Münzen nur so auf dem Teller, denn gerade hat der Weihnachtsmarkt angefangen. Pol freundet sich mit Sonja von der Krapfenbude an und sie entdecken finstere Machenschaften in einem Haus auf dem Friedhof …
«Ich wäre jetzt ein Kunde und du der Chef», bestimmt Lot. «Setz dich mal auf deinen Hocker, hier!» «Warte noch, ich muss erst den Teller holen!» Pol wickelt die Untertasse aus dem Küchentuch. Dann setzt er sich aufrecht auf seinen Schemel, den Teller auf dem Schoß. Lot kommt herein. Sie klemmt die Knie zusammen und hüpft mit gequältem Gesichtsausdruck auf und ab. «Guten Morgen, gnädige Frau!», sagt Pol höflich. «Mir scheint, sie müssen dringend pinkeln?» «Oh ja, mein Herr, ich mache mir fast in die Hose!», piepst Lot. «Hier sind die Toiletten, gehen sie nur schnell!». Pol zeigt auf die Toilettentüren. Lot schaut auf die zwei Schilder und stürzt in das 20-Cent-Klo. Pol hört sie pinkeln und spülen. «Das macht dann zwanzig Cent», sagt er, als sie herauskommt. «Warum ist die andere Toilette billiger, mein Herr?», erkundigt sich Lot. Sie tut so, als ob sie ihren Geldbeutel sucht. «Weil es dort keine Klobrille gibt, gnädige Frau», erklärt Pol. «Das ist ungerecht!», ertönt plötzlich eine fremde Stimme. Pol und Lot drehen sich mit einem Ruck um. In der Türöffnung steht ein Mädchen. «Frauen müssen nämlich sitzen und brauchen deshalb eine Brille. Es ist gemein, dass sie deswegen immer mehr bezahlen sollen!» «Das muss ja nicht sein», sagt Lot. «Sie können sich doch auch einfach auf den Rand setzen.» «Aber dann kriegen sie einen kalten Hintern», hält das Mädchen entgegen. «Genau, und darum müssen sie auch nur zehn Cent zahlen», sagt Pol zufrieden.
(22.08.08)
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