Beschreibung
Der zwölfjährige Kari wohnt mit seiner Großmutter in einer kleinen Manyatta, einer Hütte aus Ästen, Blättern, Lehm und Mist, irgendwo draußen auf dem Land in Kenia. Eines Tages, nach einer Missernte, schickt ihn seine Großmutter weg, weil sie ihn nicht mehr ernähren kann. Kari muss sehen, wie er sich allein durchschlägt.
Schon bald macht er die Erfahrung, dass es sehr verschiedene Methoden zu überleben gibt. Soll er sich der Straßenbande von Jogona anschließen, wo er zum perfekten Dieb ausgebildet würde? Dort lebt auch Tabitha, mit der er sich rasch anfreundet und der er einmal sogar das Leben rettet. Oder soll er sich für ein geordnetes Leben bei Moses und seiner Familie entscheiden, die ihn gern aufnehmen würde, weil er über eine besondere Fähigkeit verfügt: Er kann nur durch seine Stimme die wildesten Elefanten beschwichtigen - etwas, was in den Bergdörfern Kenias von größter Bedeutung ist, denn immer wieder verwüsten Elefanten Felder und Häuser.
Der niederländischen Erfolgsautorin Ellen Tijsinger ist wieder ein wunderbares Buch gelungen, das die Atmosphäre der afrikanischen Natur in den Seelen der jungen Leser zum Sprechen bringt. Bis zur letzten Seite bangen sie mit dem Protagonisten, welche Wendung sein Leben wohl nehmen wird. "Ich schreibe am liebsten Geschichten, die sich wirklich so zugetragen haben können. Sie müssen von einem Thema handeln, das mich persönlich berührt, sonst kann ich nicht darüber schreiben. Wenn ich schreibe, bin ich der Welt ein wenig entrückt. Sogar nachts träume ich von meinen Hauptpersonen." Ellen Tijsinger "… Kari schreit so laut er kann: 'Kabero, wach auf! Elefanten! Tabitha, schnell, kletter in den Baum. Schnell, steht endlich auf! Elefanten!' Er sieht einen nach dem anderen aus der Hütte kommen und so rasch wie möglich in den nächsten erreichbaren Baum klettern. Tabitha beginnt zu klagen, aber die anderen helfen ihr und Kari seufzt erleichtert auf, als sie alle ein Plätzchen hoch über dem Boden zwischen dem verdorrten Blattwerk gefunden haben. Der Lärm ist den Elefanten nicht entgangen. Sie stehen jetzt unter Karis Baum, schwingen ihre Rüssel hin und her und schaben mit den Bäuchen am Stamm. Ihre Ohren wedeln aufgeregt. Sie sind sichtbar wütend. Die junge Elefantenkuh bleibt in der Nähe ihres Kälbchens, um es zu beschützen, aber sie trompetet laut. Es ist deutlich: Die Herde denkt nicht daran sich zurückzuziehen ... Einer plötzlichen Eingebung folgend, fängt Kari an, mit ihnen zu sprechen. 'Ich bin nur ein armes Menschenkind', sagt er leise und blickt dabei ernst auf die Elefantenmutter, die keinen Augenblick aus den Augen lässt. 'Ich will deinem Kind echt nichts Böses tun. Ich finde es ein schönes, liebes Kälbchen. Nimm es doch mit in die Wälder hier gleich um die Ecke. Hier sind die untersten Äste schon abgefressen. Du willst doch nicht, dass ich den ganzen Tag hier oben in diesem Baum sitzen bleiben muss?', fügt er schließlich verzweifelt hinzu. Es scheint tatsächlich so, als hörten die Elefanten auf seine Stimme und begriffen, dass er ihnen nichts Böses will. Sie schütteln ihre Köpfe, streifen sich mit ihren Bäuchen aneinander, drehen sich um und laufen im Gänsemarsch in Richtung der immer höher steigenden Sonne. Die Elefantenmutter mit ihrem gerade erst geborenen Kälbchen läuft in der Mitte des langen Zuges, geschützt durch die Gruppe …"
(29.07.08)
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